Brown Dog Riots: Doppelt verschwiegene Geschichte

Vor 100 Jahren, im Jahr 1919, konnten Frauen in Deutschland erstmals wählen. Der Weg, an dessen Ende das Frauenwahlrecht stand, war lang – es war seit Mitte des 19. Jahrhunderts erstritten und erkämpft worden. Vor allem in England, wo es erst im Jahr 1928 eingeführt wurde, griffen Teile der Frauenbewegung im Zuge ihres Kampfes zu militanten Mitteln, bis hin zu Sprengstoffanschlägen. Dabei achteten sie aber stets darauf, dass keine Menschen zu Schaden kamen – und auch keine Tiere: Eine Vielzahl von maßgeblichen Personen und Gruppen innerhalb der sogenannten Suffragetten-Bewegung war mit der damaligen Tierrechtsbewegung aufs Engste verbunden.

Auf den versteckt liegenden Pfaden des Londoner Battersea Parks kann man einem kleinen Stück verdrängter Geschichte nachspüren: Kaum auffindbar, am Rand eines Weges nahe des Old English Garden, steht die Statue eines Hundes auf einem Sockel mit Inschriften, die besagen, dass das unauffällige Denkmal 1985 von der British Union for the Abolition of Vivisection – heute: Cruelty Free International – und der National Anti-Vivisection Society gestiftet worden ist, um ein im Jahr 1910 von prominenterer Stelle im Park entferntes Denkmal zu ersetzen, und um an die Auseinandersetzungen zu erinnern, die sich damals an diesem entfacht hatten.

Symbol für Unterdrückung

Ein Blick zurück ins Jahr 1903: Dem Physiologen William Bayliss wird vorgeworfen, er habe am Department of Physiology des University College London, das als Zentrum für Tierversuche berüchtigt ist, eine illegale Sektion eines braunen Terriers vorgenommen – nach eigener Aussage unter Narkose, nach Angaben der Anti-Vivisection Society bei vollem Bewusstsein. Bayliss führt vor Gericht erfolgreich eine Verleumdungsklage. In Reaktion auf das Urteil errichten Tierrechtler 1906 eine bronzene Statue des Hundes im Londoner Stadtteil Battersea. Auf dem 2,30 Meter hohen Granitsockel ist folgende Inschrift angebracht:

In Erinnerung an den braunen Terrier, der im Februar 1903 in den Laboratorien des University College getötet worden ist, nachdem er eine mehr als zwei Monate andauernde Vivisektion durchlitten hatte, im Zuge derer er von einem Experimentator zum nächsten gereicht worden war, bis der Tod ihn erlöste. Ebenfalls in Erinnerung an die 232 Hunde, die im Jahr 1902 am selben Ort viviseziert worden sind. Männer und Frauen Englands, wie lange sollen diese Dinge andauern?

Die medizinische Fakultät, insbesondere die Studenten, fühlen sich provoziert: „Down with the Brown Dog!“ wird zu ihrem Schlachtruf. Mehrfach fällt die Statue ihrem Vandalismus zum Opfer. „Am 20. November versuchten einige Studenten des University College und des Middlesex Hospital, das Brown Dog Memorial zu zerstören. Einer benutzte einen Vorschlaghammer, und einer versuchte, die Beine des Hundes wegzureißen. Zehn wurden festgenommen“, berichtet etwa Edward K. Ford in seiner Schrift The Brown Dog and His Memorial (1908). Zeitweise wird das Denkmal daraufhin rund um die Uhr bewacht, um weitere Aktionen der „Anti-doggers“ zu verhindern. Am 10. Dezember 1907 marschieren 1000 von ihnen durch die Londoner Innenstadt und stoßen unter gewaltsamer Eskalation mit Suffragetten, Gewerkschaftern und 400 Polizisten am Trafalgar Square zusammen. In der Folgezeit kommt es noch wiederholt zu ähnlichen Straßenschlachten, die als Brown Dog Riots bekannt werden. Die Tierrechts- ist mit der feministischen Bewegung derart überlagert, dass die Medizinstudenten jene, die gegen Tierversuche protestieren, und jene, die fürs Frauenwahlrecht eintreten, gleichsetzen: Sie stören zahlreiche Veranstaltungen letzterer, um gegen erstere vorzugehen. Der Konflikt um die Statue wird zum Ausgangspunkt der heftigsten und militantesten Auseinandersetzungen, welche die britische Tierrechtsbewegung bis zu diesem Zeitpunkt geführt hat. Immer wieder versuchen die Studenten, das Denkmal zu zerstören, stoßen dabei aber auf den vehementen Widerstand der Vivisektionsgegner sowie der Bevölkerung des Arbeiterviertels, die, so Susan McHugh von der University of New England, in dem Hund offenbar ein Symbol für ihre eigene Unterdrückung sieht. Für die Professorin sind die Brown Dog Riots ein Beispiel dafür, wie verschiedene Befreiungsbewegungen miteinander zusammenhängen; die – weiße, männliche, bürgerliche und speziesistische – Gewalt gegen den Hund sei für die Arbeiter zu einer Metapher für ihre eigene Unfreiheit geworden. Unter dem Druck der Kontroverse wird die Statue im Jahr 1910 von einem neuen Bezirksrat schließlich entfernt – trotz heftiger Proteste.

Seid militant

Der Begriff Suffragetten bezeichnet jene Frauenrechtlerinnen in Großbritannien und den USA, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit unterschiedlichen Methoden das Frauenwahlrecht erkämpften. Der britische Spielfilm Suffragette – Taten statt Worte (2015), ein Drama der Regisseurin Sarah Gavron, das in den deutschen Kinos Anfang Februar 2016 anlief und das seit Kurzem auch beim Streamingdienst Netflix verfügbar ist, setzte ihrem Kampf ein ci­ne­as­tisches Denkmal. „Es waren größtenteils Arbeiterfrauen, die festgestellt hatten, dass friedliche Proteste keinen Erfolg brachten. In ihrer Radikalisierung riskierten sie alles zu verlieren – ihre Jobs, ihr Heim, ihre Kinder und ihr Leben“, heißt es in der Beschreibung des Films. Die Maßnahmen reichten von Demonstrationen über die Störung von Parlamentssitzungen bis hin zum Einsatz von Bomben und Brandstiftung. „Es gibt etwas, um das sich Regierungen viel mehr Sorgen machen als um menschliches Leben, und das ist die Sicherheit des Eigentums. Und so ist es durch das Eigentum, dass wir den Feind bekämpfen werden. Seid militant, jede auf ihre Art“, hatte Emmeline Pankhurst verlautbaren lassen. Die radikalfeministische Theoretikerin, Mitglied der Independent Labour Party und Mitbegründerin der Women’s Social and Political Union (WSPU), war eine der Führungsfiguren der Suffragetten. Als immer mehr Mitstreiterinnen verhaftet wurden, reagierte die WSPU mit Hungerstreiks. Die Justiz beantwortete diese wiederum mit Zwangsernährung, meist per Schlauch durch die Nase. Die radikale Vorgehensweise der britischen Regierung heizte die Stimmung weiter an, auf beiden Seiten. Eine Anzeige, die Gegner des Frauenwahlrechts in der Londoner Tageszeitung Evening Standard aufgegeben hatten, verdeutlicht, wie verhärtet die Fronten waren: „Let them starve“, war dort in großen Lettern zu lesen.

Für viele Suffragetten waren der Feminismus und Aktionen gegen Tierversuche und andere Formen der Tierausbeutung Teile desselben Kampfes gegen Unterdrückung. „Nichts könnte mich dazu bringen, ein Huhn zu essen oder die grausame Behandlung unschuldiger Tiere um ihres Pelzes willen stillschweigend zu dulden. Es läuft mir entsetzlich kalt über den Rücken, wenn ich auf einer Versammlung zum Wahlrecht für Frauen sehe, wie Frauen grässliche Trophäen von Schlachtopfern mit sich herumtragen“, lautete etwa eine Wortmeldung bei der Versammlung der National American Woman Suffrage Association im Jahr 1907. In der späteren Literatur über die Suffragettenbewegung findet sich das Zitat kaum noch irgendwo, wie die US-amerikanische Autorin und Aktivistin Carol J. Adams anmerkt. In ihrem Buch The Sexual Politics of Meat: A Feminist-Vegetarian Critical Theory (1990) ist sie den Hinweisen auf eine feministisch-vegetarische Theorietradition in der westlichen Moderne nachgegangen. Sie schreibt:

Die Allianz von Frauen und Vegetarismus in der Geschichte und in der Literatur wurde verzerrt und das aufschlussreiche Netzwerk von Feministinnen und VegetarierInnen daher überhaupt nie dargestellt. Teile der Theorien von vegetarischen Feministinnen wurden verschwiegen. Wir haben es also mit einer doppelt verschwiegenen Geschichte zu tun: der verschwiegenen Geschichte von Frauen und der verfälschten Geschichte des Tierrechtsaktivismus.

Taten statt Worte

Die Frauen „demonstrierten massenweise, schmissen Schaufensterscheiben ein und zündelten an nützlichen Briefkästen herum. Selbst Landhäuser amtierender Minister, Golfplätze und Pferderennbahnen wurden nicht verschont“, heißt es einer Rezension von Suffragette – Taten statt Worte. Der Rezensent wundert sich, dass der mit Meryl Streep als Emmeline Pankhurst prominent besetze Kinofilm „so uneingeschränkt um Sympathie für politischen Terrorismus wirbt“ – zu keinem Zeitpunkt werde an der moralischen und politischen Berechtigung des Vorgehens der Suffragetten auch nur der geringste Zweifel laut. Wahrscheinlich liegt das daran, dass wir heute wissen, dass sie zwar illegal agiert haben, aber ihr Handeln legitim war: Sie kämpften gegen Ungleichbehandlung und Unterdrückung und stritten für ein grundlegendes Menschenrecht.

Das Drama kulminiert im Tod von Emily Wilding Davison, der „Märtyrerin“ der Bewegung, die am 4. Juni 1913 beim Epsom Derby aufs Rennfeld lief, um für das Frauenwahlrecht zu demonstrieren. Sie wurde vom Pferd des Königs erfasst, an den Folgen ihrer Verletzungen starb sie. Am Ende des Films sieht man historische Aufnahmen von ihrer Beerdigung: Tausende kamen. Die Inschrift ihres Grabsteins endet mit „Deeds, not words“, der Losung der militanten Suffragetten – Davison hatte zahlreiche Anschläge initiiert. Doch sie trat, was der Film leider überhaupt nicht thematisiert, nicht nur für die Befreiung der Frauen, sondern auch für die Befreiung der Tiere ein, worin sie die logische Erweiterung feministischer und anderer emanzipatorischer Forderungen sah. Zu ihrem Freundeskreis zählten andere Suffragetten, die ihr Tierrechtsinteresse teilten, etwa ihre spätere Biografin Gertrude Baillie Weaver. Sie und ihr Ehemann Harold, aktives Mitglied der Men’s League for Women Suffrage, gründeten gemeinsam das National Council for Animals’ Welfare Work. Für Harold Baillie Weaver war Tierausbeutung die „abscheulichste Form der Ausbeutung der Schwachen durch die Starken“.

Dass die Übernahme von Aktionsformen aus der radikalen Arbeitertradition, der sich die Suffragetten bedienen, aufgrund personeller Überschneidungen beider Bewegungen und ähnlichem Sympathisantenklientel auch unmittelbar auf die Tierrechtsbewegung überging, darauf hat im deutschsprachigen Raum in erster Linie die Historikerin Mieke Roscher aufmerksam gemacht, vor allem in ihrem Werk Ein Königreich für Tiere. Die Geschichte der britischen Tierrechtsbewegung (2009). Auch sie berichtet über die erklärte Absicht der militanten Suffragetten, niemals Menschen oder Tiere zu gefährden – aber, so Emmeline Pankhurst im Jahr 1913: „Wenn es dafür notwendig ist, um das Wahlrecht zu erhalten, werden wir so viel Schaden an Eigentum anrichten, wie wir können.“ Die WSPU-Mitbegründerin war der Meinung: „Das Argument der zerbrochenen Fensterscheibe ist das wertvollste Argument moderner Politik.“ Seit 1912 war die WSPU praktisch eine illegale Organisation, ihre Anführerinnen befanden sich entweder im Gefängnis oder im Exil in Paris, von wo aus sie die Leitung aus dem Untergrund weiterführten. Pankhurst selbst wurde am 3. April 1913 als Drahtzieherin eines Bombenanschlags auf das Landhaus des britischen Schatzkanzlers David Lloyd George zu drei Jahren Haft verurteilt. Das Urteil löste eine Reihe von Straßenschlachten der Frauenrechtlerinnen mit der Polizei aus. In Form von Brandstiftungen und Bombenanschlägen weiteten sich die Proteste über das ganze Land aus; die New York Times bezeichnete die Unruhen im April 1914 als „Reign of Terror“.

Freiheit von Mensch und Tier

„Abgesehen von der Wahl der Mittel, bestehen auch personelle Überschneidungen zwischen der Frauenwahlrechts-, der Tierrechts- und der Arbeiterbewegung. Frances Power Cobbe etwa ist nicht nur Teil des Exekutivkomitees der 1868 gegründeten National Society for Woman’s Suffrage, sondern auch Begründerin der Victoria Street Society – der Vorgängerorganisation der noch heute bestehenden National Anti-Vivisection Socienty – sowie der British Union for the Abolition of Vivisection. Die Sozialistin Isabella Ford engagiert sich für die Rechte der Frauen aus der Arbeiterklasse und ist gleichzeitig gegen Vivisektion und andere Formen der Tierausbeutung in Salts Humanitarian League aktiv“, ist im 2013 erschienenen Buch Antispeziesismus zu lesen. Die Rede ist von Henry S. Salt, einem Sozialisten, der in den verschiedenen Befreiungsbewegungen der Zeit ein gemeinsames Prinzip sah und versuchte, sie entsprechend zu verbinden. Im Jahr 1891 ins Leben gerufen, gehörten Salts League acht Jahre später bereits 550 Mitglieder an; die Treffen fanden wöchentlich in einem der vegetarischen Restaurants Londons statt – 1889 gab es davon bereits 34 in der Stadt. Es bestanden wechselseitige Verbindungen zur sozialistischen Bewegung, die Arbeit seiner Organisation und die Themen Vegetarismus und Tierrechte wurden in sozialistischen Zeitungen vorgestellt und unterstützt. Von Henry Salt stammt der Ausspruch:

The same spirit of sympathy and fraternity that broke the black man’s manacles and is today melting the white woman’s chains will tomorrow emancipate the working man and the ox.

Die League wurde auch von Louise Lind-af-Hageby unterstützt, die zugleich Mitglied der WLF war. Sie war es gewesen, die zusammen mit ihrer Kommilitonin Liesa Schartau zu Recherchezwecken die Seminare der Tierexperimentatoren am University College unterwandert hatte. Ihre Beobachtungen hielten sie in einem detaillierten Tagebuch fest, das zunächst unter dem Titel Eye-Witnesses veröffentlicht wurde – ab der zweiten Auflage lautete der Titel The Shambles of Science: Extracts from the Diary of Two Students of Physiology (1903). Über 200 Besprechungen des Buches erschienen in den darauffolgenden vier Monaten; es trug erheblich zur Polarisierung des Themas und zur Anfachung der Brown Dog Riots bei. Die beiden Aktivistinnen und ihr Herausgeber wurden daraufhin vom versuchsleitenden Professor verklagt und zu einer Geldstrafe von 2.000 Pfund verurteilt. 1909 gründete Lind-af-Hageby die Animal Defence and Anti-Vivisection Society. In ihren eigenen Worten war sie militante Vegetarierin; für ihren konsequenten Vegetarismus fand sie ab 1944 in der durch Donald Watson gegründeten Vegan Society Gleichgesinnte.

Im Jahr darauf wurde ein neuer konservativer Bezirksrat gewählt, dem das Brown Dog Memorial ein Dorn im Auge war. Er brachte eine Petition gegen die Statue mit 20.000 Unterschriften vor; ein Unterstützungskomitee für das Denkmal wurde von 500 Einzelpersonen gegründet. Eine 1.500 Personen starke Demonstration unter der Führung von Louise Lind-af-Hageby und Charlotte Despard folgte im Februar 1910. Despard hatte bereits die Enthüllung der Statue im Jahr 1906 begleitet. Die Sozialistin und spätere Sinn-Féin-Aktivistin, die zunächst als führendes Mitglied der WSPU fungierte, war 1907 Mitbegründerin der Women’s Freedom League. „Vegetarismus war für sie Grundlage für soziale Veränderung, der Freiheit von Mensch und Tier“, merkt Mieke Roscher zu ihr an. In Battersea ist noch heute eine Straße nach ihr benannt. In der Nacht vom 10. auf den 11. März 1910 schließlich entfernten vier Stadtratsabgeordnete unter dem Schutz von von 120 Polizisten die Statue. Zehn Tage darauf versammelten sich erneut 3.000 Antivivisektionisten. Der Stadtrat ignorierte die Proteste.

Fortlaufender Kampf

„Die Sorge ums vernunftlose Tier aber ist dem Vernünftigen müßig. Die westliche Zivilisation hat sie den Frauen überlassen“, kritisierten schon Max Horkheimer und Theodor W. Adorno in der Dialektik der Aufklärung (1944). Der Einsatz für Tiere, Vegetarismus und Veganismus waren wichtige Überzeugungen führender Suffragetten. Dennoch wird dieser Aspekt, wenn es um die Bewegung geht, meist nicht erwähnt. „Kaum eine andere emanzipatorische Forderung verhallte im Gang der Geschichte immer wieder derart ungehört wie der Ruf nach der Befreiung der Tiere“, heißt es dazu im bereits erwähnten Buch Antispeziesismus, das einige Schlaglichter auf diese Tradition wirft, um sie aus ihrem Schattendasein zu holen – von der Zeit des Englischen Bürgerkriegs im 17. Jahrhundert bis heute. Wenn sie – so die These des Buches – kein anderes Verhältnis zur unterdrückten Natur und zu den Tieren entwickeln, können die menschlichen Emanzipationsbewegungen nicht zum Erfolg führen, was deutlich wird, wenn man eine historische Perspektive einnimmt und sieht, dass die Geschichte der Anstrengungen des Menschen, über die Natur und die Tiere zu herrschen, auch die Geschichte der Herrschaft des Menschen über den Menschen ist. Herbert Marcuse sprach deshalb von der „Befreiung der Natur als Mittel der Befreiung des Menschen“ – dass „die Gewalt beseitigt und die Unterdrückung so weit verringert wird, als erforderlich ist, um Mensch und Tier vor Grausamkeit und Aggression zu schützen“, waren für ihn die Vorbedingungen einer humanen Gesellschaft.

Das noch sichtbare Zeugnis der Brown Dog Riots liegt heute dermaßen versteckt, dass man gezielt danach suchen muss: Hinter dem Pumphaus des Battersea Park stifteten Tierrechtsorganisationen am 12. Dezember 1985 eine neue, von der Künstlerin Nicola Hicks konzipierte Statue. An ihrem Sockel sind Inschriften angebracht; dort ist zu lesen:

Diese Statue ersetzt das alte Denkmal, das 1906 am Latchmere Recreation Ground öffentlich gestiftet wurde. Die Leiden des Hundes führten zu ausufernden Protesten und Massendemonstrationen. Es steht für die Ablehnung der Vivisektion und Tierversuche durch das Londoner Volk. Dieses neue Monument ist dem fortlaufendem Kampf gewidmet, diese Praktiken zu beenden.

Die Oxforder Historikerin Hilda Kean kritisierte die neue Statue: Der alte Brown Dog sei aufrecht und trotzig gewesen, habe nicht um Gnade gebettelt und eine politische Forderung verkörpert; der neue ducke und verstecke sich – im Gegensatz zu seinem Vorfahren werde dieser Hund niemanden verunsichern. Dennoch: Es wird eine Zeit kommen, in der nicht nur die Forderungen der Suffragetten in Bezug auf das Frauenwahlrecht endlich auf dem gesamten Erdball erfüllt sein werden, sondern auch ihre Forderungen bezüglich der Tiere; die Anliegen der Tierbefreiungsbewegung und die Mittel, die sie wählt, um ihre Ziele zu erreichen, werden dann als so legitim gelten wie heute der Kampf der Suffragetten für das Frauenwahlrecht.

Gedruckt findet sich dieser Artikel im Magazin Tierbefreiung, Heft 103 (Titelthema „Tierbefreiung und Feminismus“).

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